Lisa und Lea der Verbraucherschule Wilster

"Das war ein lehrreiches Experiment und hat großen Spaß gemacht..."

Fürs Leben lernen

Nicht für die Schule, fürs Leben lernen wir! Und leben heißt heute: jeden Tag unzählige Entscheidungen treffen. Welcher Handytarif ist der richtige? Bei welcher Bank ist mein Erspartes in guten Händen? Und wie kann ich gut und verantwortungsbewusst einkaufen?

An den meisten Schulen gibt es auf diese Fragen kaum Antworten. Anders an der Verbraucherschule Wilster in Schleswig-Holstein: Hier werden Schülerinnen und Schüler fit gemacht für das tägliche Leben – damit sie sich in unserer immer komplexer werdenden Konsum- und Warenwelt gut zurechtfinden.

Voller Einsatz beim Tag der offenen Tür

Gelernt wird nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis. Zum Beispiel beim Tag der offenen Tür. Hier kümmern sich keine erwachsenen Profis um das leibliche Wohl der Besucher, sondern Schülerinnen und Schüler des Wahlpflichtfachs „Konsumwelten unter dem Aspekt von Mensch und Umwelt“. Mit dabei: Lisa und Lea.

Seit Wochen sind die Jugendlichen mit der Vorbereitung, Planung und Organisation beschäftigt. „Wir haben das komplett in Eigenregie auf die Beine gestellt“, erzählt die 15-jährige Lea. „Am Anfang haben wir uns überlegt, welche Speisen für so einen Anlass in Frage kommen, dann ging es ans Einkaufen, Probekochen und die Kalkulation von Mengen und Preisen. Damit alles reibungslos klappt, haben wir verschiedene Teams gebildet, zum Beispiel für die Küche, den Service, die Werbung und die Finanzen“.

Für die Posten in den Teams mussten sich die Schülerinnen und Schüler bewerben. Lea selbst ist im Leitungsteam, sie koordiniert die Aktivtäten und hält Kontakt zur Schulleitung. Ihre Freundin Lisa (16) ist für die Gestaltung der Cafeteria zuständig. „Das ist schon eine Herausforderung“, erzählt sie. „Einerseits sollen so viele Menschen wie möglich Platz finden, andererseits soll es einladend und gemütlich wirken“. Sie macht Stellpläne für die Tische, entwickelt Ideen für die Deko, besorgt Blumen und Kerzen, schmückt und rückt Tische, bis alles passt. Am Ende hat sie nicht mal die Hälfte ihres Budgets verbraucht – und ist überrascht, welche Effekte man auch mit geringen Mitteln erzielen kann.

Jede Menge Themen, jede Menge Projekte

Das Catering am Tag der offenen Tür ist nicht das erste Projekt, in dem Lea und Lisa mitarbeiten. Sie gehören zum ersten Jahrgang, der das Wahlpflichtfach „Konsumwelten unter dem Aspekt von Mensch und Umwelt“ komplett durchläuft. Seit der 7. Klasse sind sie dabei, haben sich in den letzten Jahren mit so unterschiedlichen Themen wie verantwortungsbewusstem Konsum, Küchenhygiene, Mediennutzung und Versicherungen beschäftigt. Sie haben Erdbeerquark selbst hergestellt und an der Schule verkauft – und dabei festgestellt, dass es nicht nur auf den Geschmack ankommt, sondern auch auf den Preis und das Design. Sie haben sich intensiv mit dem Thema Verpackungen auseinandergesetzt – und ihr Wissen in einer selbstgestalteten Unterrichtsstunde an jüngere Schüler weitergegeben. Die Frage: Wo ist Verpackung nötig und sinnvoll, weil sie die Ware schützt – und wo ist sie überflüssiger Müll? „Wir haben uns vorher viele Gedanken gemacht, wie man das Thema spannend und anschaulich präsentieren kann“, berichtet Lea. „Im Unterricht gingen dann mit voller Absicht Flaschen und Eier zu Bruch. Das war ein lehrreiches Experiment und hat großen Spaß gemacht, nicht nur den Sechstklässlern“. Die Schülerin lacht.

Viele Themen, viele Projekte: das bedeutet auch eine ganze Menge Arbeit. „Manchmal ist das schon anstrengend, und wir investieren auch viel Freizeit“, erzählt Lisa. „Aber gemeinsam mit anderen etwas zu organisieren und auf die Beine zu stellen ist ein tolles Erlebnis, dafür lohnt sich der Einsatz auf jeden Fall. Und natürlich lernen wir dabei auch richtig was“.

Gut gerüstet für die Zukunft

Für ihr Engagement beim Tag der offenen Tür bekommen Lea und Lisa eine glatte Eins. Klar, dass sie auch beim nächsten Mal wieder dabei sind. Dann steht ein Rollenspiel zum Thema Schulden auf dem Programm. Bald darauf ist Schluss für die beiden: sie werden die Schule im Sommer 2014 mit dem mittleren Bildungsabschluss verlassen und eine Ausbildung beginnen. Wie sie einen Vertrag abschließen, wie sie gut mit ihrem ersten selbstverdienten Geld umgehen: all das haben sie an der Schule gelernt. Sie starten gut gerüstet in die Zukunft – und geben ihr Wissen an Freunde und Familie weiter.

Link zur Verbraucherschule Wilster