Qualitätskontrolle von Beratungsprotokollen - Sicherheit für Bankkunden bei der Anlageberatung

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Worum geht es?
Übertriebene Renditeversprechen, verschwiegene Risiken, missachtete Anlagewünsche: Um Bankkunden vor falscher oder nicht bedarfsgerechter Beratung zu schützen, muss der Inhalt von Beratungsgesprächen dokumentiert werden. Wie gut das in der Praxis funktioniert hat die Initiative Finanzmarktwächter untersucht.

Hintergrund
Ein Kunde kommt zu einer Bank. Er hat gespart und möchte sein Geld gut anlegen. Die Bank empfiehlt Zertifikate als sichere Geldanlage, der Kunde verliert eine Menge Geld. Er fühlt sich falsch beraten und fordert von seiner Bank Schadensersatz. Doch wie soll er beweisen, dass er diese Anlage eigentlich gar nicht wollte? Seit Anfang 2010 muss über jede Bankberatung, in der es um Wertpapieranlagen geht, ein Protokoll geführt werden. Es soll den Kunden vor falscher Beratung schützen und ihm bei einer möglichen Auseinandersetzung mit der Bank als Beweismittel dienen. Doch schon erste Untersuchungen kurz nach der Einführung der neuen Regelung zeigten, dass die Protokolle dieses Ziel nicht erfüllen – und im Streitfall eher den Banken als den Kunden nutzen.

Inhalte und Ziele
Um die Qualität von Beratungsprotokollen besser beurteilen zu können, hat die Initiative Finanzmarktwächter 50 Beratungsgespräche bei 50 Kreditinstituten zwischen September 2011 und Februar 2012 durchführen lassen und die Protokolle ausgewertet. Ernüchterndes Resultat: Kein einziges Protokoll enthält alle relevanten Informationen und gibt den Gesprächsverlauf korrekt wieder.

In 55 Prozent der Fälle sind die Einnahmen oder Ausgaben der Kunden falsch oder gar nicht dokumentiert, Vermögen und Verbindlichkeiten werden nur in einem Protokoll vollständig wiedergegeben. Kein einziges Institut macht korrekte Angaben zur Risikobereitschaft der potenziellen Anleger. Und: Trotz klarer rechtlicher Regelungen wurde bei 10 von 50 Gesprächen gar kein Protokoll erstellt.

Gesellschaftliche Wirkung
Die Erhebung zeigt: So, wie die Protokollpflicht derzeit gehandhabt wird, erfüllt sie ihren Zweck nicht. Im Gegenteil: Die Banken nutzen Textbausteine und nichtssagende Formulierungen wie „Über die Risiken des Produkts wurde aufgeklärt“, um sich gegen Schadensersatzforderungen abzusichern. Damit wird das ursprüngliche Ziel auf den Kopf gestellt. Die Erhebung liefert einen wichtigen Hinweis darauf, dass die aktuellen Regelungen nicht ausreichend und zum Schutz der Verbraucher weitere Maßnahmen nötig sind.

Den vollständigen Bericht der Initiative Finanzmarktwächter zur Aufzeichnungspflicht in der Anlageberatung gibt es zum Download (PDF, 1262 KB).

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Kategorien:
Finanzdienstleistungen, Studien

Projekt Steckbrief

Laufzeit
November 2011 bis Januar 2012
Fördersumme 5.000 €
Projektvolumen 10.000 €