Förderbereiche

Verbraucherbildung – Konsum- und Alltagskompetenzen stärken

Junge Menschen haben ein Recht auf Verbraucherbildung, wie es die Vereinten Nationen seit 1999 fordern. Zahlreiche Untersuchungen machen allerdings deutlich, dass das Bildungssystem in Deutschland nicht ausreichend in der Lage ist, solche Kompetenzen zeitgemäß und nachhaltig in den fünf Konsumfeldern

  • Ernährung und Gesundheit
  • Finanzen
  • Verbraucherrecht
  • Medien
  • Nachhaltiger Konsum

zu vermitteln.

Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Stiftung Verbraucherschutz Verbraucherbildung zu einem Schwerpunkt der Fördertätigkeit gemacht. Weitere Informationen

Innovationen der Verbraucherarbeit – Neue Impulse und Wissenstransfer

Die Deutsche Stiftung Verbraucherschutz möchte die Verbraucherarbeit der Vereine und Verbände in Deutschland weiterentwickeln. Mit der Förderung innovativer Ansätze will sie neue Zielgruppen und Themen für die Verbraucherarbeit erschließen. In den Förderprogrammen sollen zukunftsweisende Instrumente entstehen und die Organisationen unbekannte Wege beschreiten. Im Ergebnis entstehen neue Netzwerke und kreative Arbeitsformen können in der Verbraucherrealität einem Praxistest unterzogen werden. Viele Mitgliedsorganisationen haben in spezifischen Kontexten bereits gute und wichtige Erfahrungen mit innovativen und zukunftsträchtigen Ansätzen gesammelt. Dieses Wissen gilt es, in das Netzwerk des Verbraucherschutzes einzuspeisen, um Transfer und Austausch zwischen den Organisationen zu ermöglichen. Modellprojekte und innovative Maßnahmen sind vor allem förderungswürdig, wenn sie zukunftsweisend und dauerhaft sind. Innovationsförderung ist daher ein Schwerpunkt der Deutschen Stiftung Verbraucherschutz.

Ehrenamt und Empowerment – Beteiligung ermöglichen schaffen und ausbauen

Menschen können in ihrer Rolle als Bürger und Verbraucher großen Einfluss auf politische und wirtschaftliche Entscheidungsprozesse ausüben. Verbraucher entdecken und nutzen dabei zunehmend die Möglichkeit, mit ihrem Einkaufsverhalten direkt auf die Produktion von Lebensmitteln, Textilien oder Unterhaltungselektronik einzuwirken, um ihre Vorstellungen von Qualität oder sozialen Fragen vorzubringen. Gerade das Internet bietet interessierten Verbrauchern neue Chancen, Informationen über Produkte und Dienstleistungen im Rahmen von Webportalen und sozialen Netzwerken öffentlich auszutauschen. Diese neue Macht versuchen Konsumenten einzusetzen, um Unternehmen und Branchen zu bewegen, ihre Angebote anzupassen oder gesetzte Standards zu hinterfragen und zu verändern.

Die Stiftung will Verbraucher ermächtigen, an politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Diskursen mitwirken zu können. Sie baut das Ehrenamt im Verbraucherschutz aus und fördert neues und altes ehrenamtliches Engagements. Die Deutsche Stiftung Verbraucherschutz steigert damit die hohe gesellschaftliche Bedeutung des Verbraucherschutz und kann heute noch unerschlossene Zielgruppen mit einem effizienten Mitteleinsatz dauerhaft in die Verbraucherarbeit einbinden.

Digitale Welt & Informationstechnologien – Phishing, Abzocke, Aushebelung von Datenschutz

Die digitale Welt bietet viele neue Möglichkeiten für Information, Konsum und Kommunikation. Aber nicht alle Angebote im Netz sind vertrauenswürdig. Verbraucher sind Phishing-Attacken und anderen Abzocker-Methoden ausgeliefert. Angeblich kostenlose Angebote im Netz erfordern die Herausgabe persönlicher Daten der Verbraucher – hier müssen die Regeln noch fair ausgehandelt werden. Häufig bewegen sich viele Verbraucher zu arglos im World Wide Web – dabei gelten im Internet andere Regeln als in der analogen Welt. Dies zeigt sich an den zahlreichen Konflikten zum Thema Urheberrecht oder bei der Durchsetzung von Verbraucherrechten.

Die neuen Informationstechnologien und die Digitalisierung von Dienstleistungen und Produkten sollen für Verbraucher vor allem Chancen und keine Risiken darstellen. Hier sieht die Deutsche Stiftung Verbraucherschutz großen Handlungsbedarf. Sie fördert Projekte, die für faire Regeln und Wettbewerb in der digitalen Welt sorgen und es Verbrauchern ermöglichen, das Web selbstbestimmt und gefahrlos zu nutzen. Ein wichtiger Baustein ist dabei der Erwerb von Medienkompetenz.

Gesundheit, Ernährung & Pflege – Selbstbestimmt leben

Verbraucher geben erhebliche Teile ihrer Mittel für Ernährung und Gesundheit aus. Verbraucherschützer setzen sich dafür ein, dass Verbraucher klare, verständliche und wahrhaftige Information über die Qualität von Lebensmitteln erhalten. Die Qualität bezieht sich dabei nicht nur auf die ernährungsphysiologische Zusammensetzung und Wirkung, sondern auch Aspekte der Herstellung spielen eine immer wichtigere Rolle: Wie werden Lebensmittel erzeugt? Stammen sie aus der Region? Werden gentechnisch veränderte Bestandteile klar gekennzeichnet? Verbraucher müssen informierte Entscheidungen für eine gesunde Lebensweise selbstständig treffen können. Dafür brauchen sie verlässliche und vollständige Produktinformationen. Hier ist auch die Politik gefragt, entsprechende Richtlinien zu erlassen, um Markttransparenz zu ermöglichen.

Gesundheit ist aber mehr als Lebensmittel. Gesucht ist ein Gesundheitssystem, das den Verbrauchern dient und das sie auch verstehen können. Verbraucher müssen stark gemacht werden in ihren Rollen als Versicherte, Patienten, Pflegebedürftige oder Angehörige. Selbstbestimmtes Leben braucht mehr Transparenz und Orientierung über Leistungen, Preise und Qualität im Gesundheitswesen.

Die Stiftung fördert im Bereich Gesundheit und Ernährung sowohl präventive Informationsangebote, die sich am Lebensumfeld von unterschiedlichen Verbrauchergruppen orientieren als auch Projekte, die Anbieter und Politik zum Handeln bewegen.

Finanzmarkt & Altersabsicherung – Fairen, transparenten Wettbewerb und Verbraucherkompetenzen stärken

Verbraucher sind im Finanzmarkt mit hoch komplexen Produkten konfrontiert. Diese sind oft schwer zu durchschauen oder gar zu vergleichen, zumal die meisten Verbraucher nicht auf eigenes Erfahrungswissen zurückgreifen können. Verbraucher sind aber auf den Zugang zu bedarfsgerechten Finanzprodukten angewiesen, bei denen Transparenz über Chancen, Risiken und Kosten herrscht. Die fundierte Information von Verbrauchern wird vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und eines steigenden Anteils privater Altersabsicherung immer wichtiger. Die Anforderungen an die Produkte könne dabei je nach Lebenssituation sehr unterschiedlich sein. Eine falsche Entscheidung führt schnell zu finanziellen Verlusten, fehlender sozialer Absicherung oder gar Überschuldung.

Daher unterstützt die Deutsche Stiftung Verbraucherschutz Projekte, die zu einem fairen Wettbewerb und transparenteren Vertriebsmethoden führen. Besonders die Provisionspraxis benötigt stärkere Beachtung. Die Verbraucherorganisationen müssen die Interessen von Verbrauchern gegenüber Anbietern und Politik vertreten und zugleich die Finanzkompetenz der Verbraucher stärken.

Nachhaltigkeit & Klimaschutz – Verantwortung für die Umwelt und die zukünftigen Generationen übernehmen

Wirtschaft und Gesellschaft sollen nach Prinzipien der Nachhaltigkeit funktionieren. Das ist mittlerweile gesellschaftlicher Konsens. Dazu braucht es ökologische und soziale Leitplanken innerhalb derer Wirtschaft und Konsumenten verantwortlich interagieren können. Wirtschaftliche Entwicklung darf nicht auf dem Raubbau an Natur oder Menschen fußen. Verbraucher stehen in der Verantwortung und können durch ihr Handeln Nachhaltigkeit vorantreiben – oder verhindern. Mit der Globalisierung wächst der Einfluss der Verbraucher auf die ökologische und soziale Bilanz von Produkten. Informierte Verbraucher können selbstbewusst Qualität oder nachhaltige Produkte und Dienstleistungen einfordern und nachfragen. Anbieter reagieren mit Corporate Social Responsibility und versuchen, Nachhaltigkeitskriterien noch besser zu erfüllen. Auch der Erfolg der bevorstehenden und künftigen Weichenstellungen in der Energie- und Klimapolitik hängt maßgeblich davon ab, dass Verbraucher einbezogen werden. Nur wahre Beteiligung motiviert Nutzer und Verbraucher, gesellschaftlich vereinbarte Ziele wie den Ausstieg aus der Kernenergie oder die notwendige Sanierung von Gebäuden mitzutragen und voranzubringen.

Die Stiftung finanziert Projekte im Bereich nachhaltiger Konsum und Klimaschutz und unterstützt aktiv Ansätze zu einer klimafreundlichen und verbraucherorientierten Energiewende.

Verbraucherrecht – Opfer sollen unterstützt werden

Die Stellung der Verbraucher in einer Marktwirtschaft hängt entscheidend davon ab, über welche Rechte sie und die Verbraucherorganisationen verfügen. Verbunden mit einer wirkungsvollen Rechtsdurchsetzung tragen Verbraucherrechte dazu bei, dass es fair auf den Märkten zugeht und die gleichen Marktbedingungen für alle Akteure gelten.

Die Stiftung fördert deshalb die Stärkung von Verbraucherrechten. Dies kann ganz verschiedene Formen annehmen: von Veranstaltungen (Verbraucherparlament, Kongresse etc.) über Gutachten im Vorfeld von juristischen Auseinandersetzungen bis zu gezielten Kampagnen. Die Übernahme von Prozesskosten für Mitgliedsorganisationen durch Fördermittel der Stiftung ist nicht vorgesehen. Lediglich Verbraucher, die die Opfer betrügerischer und unrechtmäßiger Praktiken von Unternehmen geworden sind, können in Einzelfällen im Rahmen eines „Rechtshilfefonds“ bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung unterstützt werden können. Entsprechende Fälle können die Mitgliedsorganisationen der Stiftung vorschlagen, die über die Mittel im Fonds entscheidet.

Verbraucherforschung – Effektivität benötigt Fundierung

Politische Lobbyarbeit braucht fundiertes Wissen. Studien, Gutachten und Marktchecks sind zentrale Elemente für eine zeitgemäße Verbraucherschutzpolitik. Auch für eine fundierte Öffentlichkeitsarbeit sind aktuelle Daten unerlässlich. Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen und anderen Partnern können die Schlagkraft von Untersuchungen erhöhen. Besonders Verbundprojekte, die von mehreren Antragstellern getragen werden, sind im Förderbereich Research und Verbraucherforschung von hoher Relevanz. Eine breite Basis von Verbraucherorganisationen kann die Ergebnisse gemeinsam nutzen und entsprechend stark mit relevanten und neuartigen Ergebnissen gegenüber Öffentlichkeit und Politik auftreten.

Die Stiftung fördert deshalb wissenschaftliche Studien, investiert in Politikberatung sowie die Vernetzung von Forschungsaktivitäten in den Verbraucherwissenschaften.